Saarbrücken, den 04.04.2012 – Die Jungen Liberalen Saar (JuLis) sprechen sich für die Abschaffung des im Saarländischen Feiertagsgesetz geregelten Tanzverbots aus. „Das Tanzverbot gehört abgeschafft und das Saarländische Feiertagsgesetz muss in dieser Hinsicht endlich modernisiert werden“ so Tobias Raab, Landeschef der JuLis im Saarland.
„Es kann nicht angehen, dass der Staat allen Bürgern eine bestimmte Verhaltensweise vorschreibt, um die Durchsetzung von Bräuchen einzelner Religionen zu erzwingen!“ kritisiert Raab. Dies lasse sich weder mit dem Lebensgefühl vieler Generationen, noch mit der Neutralitätspflicht eines säkularen Staates vereinbaren. „Wir leben – auch und gerade im Saarland – in einer vielfältigen und pluralen Gesellschaft. Ein Staat, der sich da auf die Seite einzelner Glaubensgemeinschaften schlägt, läuft Gefahr sich seiner Glaubwürdigkeit und Objektivität zu berauben“, so Raab.
Dabei geht es den Jungen Liberalen keineswegs darum, christliche Traditionen zu kritisieren. „Sehr viele unserer Mitglieder pflegen diese und üben ihre Religion offen aus“, betont Raab. Aber Akzeptanz für einen Glauben und dessen Bräuche lasse sich nicht per Gesetz schaffen und es sei auch nicht Staatsaufgabe, dies zu versuchen. „Nach unserer Vorstellung soll jeder für sich selbst entscheiden dürfen wie er leben möchte, welche Traditionen er pflegt, und auch ob er einer Glaubensgemeinschaft angehören möchte und wenn ja welcher.“ Diese Freiheit müsse man den Menschen im Großen, ebenso wie im Kleinen zugestehen. Die Glaubensfreiheit gläubiger Christen sähen die JuLis durch eine Abschaffung des Tanzverbots nicht gefährdet. Niemand werde gezwungen, sich entsprechenden Veranstaltungen zu nähern oder sich dort aufzuhalten, vielmehr sei die Abschaffung am ehesten im Interesse aller. „Wer zur Ruhe kommen möchte kann dies an einem ruhigen Fleckchen auch nach Abschaffung des Tanzverbots immer noch, und wer sich durch Party und Musik entspannen möchte, kann auch dies“, so Raab. Schließlich könne es auch nicht im Interesse eines modernen Christentums sein, anderen die eigenen Traditionen gegen deren Willen mit staatlichem Druck aufzuzwängen.









Es geht hier nicht um eine “Durchsetzung von Bräuchen einzelner Religionen”, sondern ganz entscheidend um weit über eine Religionsgemeinschaft hinaus wirkende und innergesellschaftlich gewachsene Traditionen und Werte – ebenso übrigens wie bei der Diskussion um den arbeitsfreien Sonntag. Und ist es wirklich eine schlimme Einschränkung individueller Rechte, es zwei oder dreimal im Jahr etwas lockerer angehen zu lassen?!
Eine funktionierende Gesellschaft, gerade wenn sie glücklicherweise ein großes Maß an innerer Freiheit und Vielfalt erreicht hat, braucht ein gewisses Maß an Homogenität; und hier spielen überlieferte Bräuche und Traditionen eine wichtige Rolle.
Dass sich die JuLis mit ihrer Forderung auf einer Linie mit den Grünen befinden verwundert da wenig, ich finde das als JuLi-Mitglied aber sehr bedauerlich. Wollen wir wirklich wie ein großer Teil der Grünen eine identitätslose Massengesellschaft mit vereinzelten, sich ihr Leben zusammenkonstruierenden Individualisten, die gar nichts mehr verbindet? Wenn wir alle über einen sehr langen Zeitraum gewachsenen Gemeinschaftselemente einfach politisch abschaffen, ist es dahin nicht mehr weit. Das wäre, gerade aus liberaler Sicht, eine Katastrophe. Da lobe ich mir so klare freiheitliche Stellungsnahmen wie die folgende, bei den Saar JuLis sucht man so etwas leider vergeblich! http://jungesdeutschland.wordpress.com/2011/04/19/gruene-wollen-karfreitagsruhe-abschaffene/
Ich finde es erstaunlich, wie viele Argumente du gegen das Tanzverbot anbringst und zu welchem Schluss du dann kommst.
Wir sprechen uns ja nicht gegen den Feiertag aus (deshalb passt der Vergleich zum Sonntag nicht), da wir der Meinung sind, dass solche Feiertage wichtig für Familien usw. sind.
Und es zwei oder drei mal im Jahr locker angehen zu lassen ist nicht schlimm, im Gegenteil, wir setzen uns doch genau dafür ein, dass man es auch mal locker angehen lassen kann, feiern kann, Spaß haben kann.
Einer erzwungene religiöse Homogenität wie du sie forderst widerspricht den Grundsätzen des Liberalismus.
Wir setzen uns für die Freiheit jedes Menschen ein und das ist nichts was wir uns bei den Grünen abgeschaut haben, das ist urliberales Gedankengut.